IgG4 Nahrungsmittelunverträglichkeiten – (Un-) sinnig?

 

Vor einiger Zeit hatte ich einen Artikel geschrieben, der eine Übersicht darstellte, welche verschiedenen Möglichkeiten existieren auf Nahrungsmittel zu reagieren. Unter anderem habe ich kurz IgG4 Reaktionen angerissen. Nun möchte ich hierauf noch ein wenig genauer eingehen.

Über das Thema „IgG4 Nahrungsmittelunverträglichkeiten“ streiten sich immer noch die Gelehrten. Wenn du im Internet nachschaust, wirst du wahrscheinlich sehr viele negative Beiträge lesen. Die Kritiker zerreißen es komplett und stellen die Wissenschaftlichkeit in Frage. Für mich persönlich ist die Wissenschaftlichkeit jedoch in manchen Dingen zweitrangig. Denn wenn es einem Patienten, nach dem er die für ihn unverträglichen Nahrungsmittel weggelassen hat, deutlich besser geht, dann ist das für mich erst einmal Beweis genug, dass an der Geschichte doch was dran ist. Aber eins nach dem anderen. Schauen wir uns das ganze Mal genauer an.

Entstehungsweise der IgG4-Unverträglichkeiten

IgG4 sind Antikörper – ähnlich wie die klassische Variante IgE. Bei den IgE-Allergien kommt es ziemlich direkt nach Kontakt mit dem Stoff zu einer Reaktion. Zum Beispiel: du isst einen Apfel, deine Zunge fängt an zu bitzeln, dein Hals schwillt zu und du bekommst Atemnot. Bei IgG4 ist das zum Glück deutlich harmloser, deshalb aber häufig nicht so leicht zuzuordnen. Du isst einen Apfel … und es passiert erst mal nichts. Stunden, manchmal erst 1-2 Tage später, folgt dann eine Reaktion, zum Beispiel Kopfschmerzen, Bauchprobleme, bei Hautproblemen können diese sich verschlechtern. Für die Betroffenen ist das aufgrund der Zeitspanne mit dem Apfel aber nicht in Verbindung zu bringen. Hierfür gibt es bestimmte Labortests, die diese Unverträglichkeiten nachweisen.

Bei Gesunden ist in der Regel keine Unverträglichkeit nachzuweisen. Bei Personen, die entsprechend positive Befunde haben, ist eigentlich ein anderes (verstecktes) Problem die Ursache.  Hohe IgG4-Antikörperkonzentrationen beruhen nämlich auf einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmschleimhaut. Ein intakter Darm lässt keine Nahrungsmittelallergene durch. Ist er jedoch geschädigt, durchdringen die Allergene die Barrieren und kommen in größeren Mengen in Kontakt mit der systemischen Körperabwehr. Da gehören diese Nahrungsbestandteile in dieser Form nicht hin und der Körper denkt, es wären Eindringlinge, die er bekämpfen muss. Es entstehen gegen Nahrungsmittel gerichtete Antikörper (IgG4-Sensibilisierung).

Als Ursachen der erhöhten Schleimhautpermeabilität kommen eine wiederholte Gabe von Antibiotika und damit verbundenen Schädigungen der Darmflora, Magen-Darm-Infekte, entzündlichen Darmerkrankungen, Umweltbelastungen oder Stress in Betracht. (Wenn dich das genauer interessiert, lies doch meinen Artikel: “Problemfall löchriger Darm“. Dort erkläre ich das noch ein bisschen genauer).  Da aber nicht jeder Patient mit einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmschleimhaut Beschwerden aufweist, werden immer wieder auch scheinbar „Gesunde“ mit hohen Antikörperspiegeln gefunden. Ob es sich dabei aber wirklich um Gesunde handelt, muss – meiner Meinung nach – infrage gestellt werden.

 

Leider gibt es keine typischen Symptome

Das Problem ist auch, dass man nicht unbedingt „typische“ Symptome haben muss. Kopfschmerzen, Blähungen und Durchfall oder ähnliches sind ja noch geläufig, aber dass die Verschlechterung der Haut bei Neurodermitis oder Schuppenflechte, Verschlimmerung der Schmerzen bei Arthritis oder einfach nur die permanente Müdigkeit mit dem Apfel, den du vorgestern gegessen hast, zusammen hängt? Daran denken leider viele nicht.

Mir fällt eben auf, dass ich häufig der Einfachheit halber den Apfel als Beispiel aufführe. Äpfel sind aber eigentlich gar nicht so oft im IgG4-Bereich auffällig.  Die Nahrungsmittel, auf die ganz viele Menschen unverträglich reagieren, sind Gluten und glutenhaltige Getreide, Hühnerei, Nüsse und Kasein (das ist ein Eiweißbestandteil, das in allen tierischen Milchprodukten vorkommt, also nicht nur in Kuhmilch, sondern auch in Schaf-, Ziegen- oder Stutenmilch).

Wenn man nun solche Reaktionen nachgewiesen bekommen hat,  stellt sich die Frage: Und nun?

Je nach Reaktionsstärke und der Masse an Nahrungsmittelunverträglichkeiten lässt man möglichst viele der höheren reagierenden Nahrungsmittel vorübergehend weg. Je mehr, desto besser. Die anderen dürfen gegessen werden – allerdings im Rotationsprinzip, also nicht jeden Tag, sondern möglichst nur alle 4 Tage.

Genauso wichtig oder vielleicht noch wichtiger ist eine Stabilisierung der Darmschleimhaut, um die Durchlässigkeit für Nahrungsmittelallergene zu verringern und damit einer ständigen Neubildung von Antikörpern entgegenzuwirken.

Wie man das ganz genau durchführt kannst du ebenfalls in meinem Artikel „Problemfall löchriger Darm“ entnehmen. Ein sehr gutes Paket, das von der Arktis schon geschnürt wurde, ist das Leaky-gut-6-Monate.

Hier sind unter anderem enthalten:

  • Bakterien, die die Säuerungsflora stärken und „böse“ Bakterien aus dem Darm vertreiben
  • Akazienfasern, das Lieblingsessen einiger wichtiger Bakterien, die es dann den anderen wiederum kuschlig machen, so dass diese sich dann wieder dort niederlassen und eine wichtige Symbiose eingehen.
  • Wichtige Aminosäuren, die sich beruhigend auf die Entzündungen auswirken – vor allem Glutamin und
  • Colostrum, das Allround-Talent

 

Wie lange muss ich meinen inneren Schweinehund bändigen?

Im günstigsten Fall solltest du relativ schnell merken, dass es dir besser geht. Dann fällt es auch leichter, erst einmal eine Zeit lang auf die Nahrungsmittel zu verzichten. Das solltest du mindestens 2-4 Monate machen. Wenn du sehr starke Reaktionen hast eventuell auch noch länger. Das besprichst du am besten mit dem Therapeuten deiner Wahl. Hat sich dein Darm regeneriert und deine Symptomatik deutlichst verbessert, kannst du anfangen ganz, ganz langsam die eliminierten Nahrungsmittel in deine Ernährung wieder mit aufzunehmen. Aber überfordere dich dabei nicht, auch wenn dein Heißhunger wahrscheinlich nach dem ein oder anderen schreit. Wenn dein Darm wirklich ausgeheilt ist, sollte dein Körper in Zukunft keine Probleme mehr mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten haben… zumindest nicht auf diesem Weg. Denn leider gibt es ja noch andere Möglichkeiten auf Nahrungsmittel zu reagieren, die jedoch andere Ursachen haben…

 

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